Hartz IV und die Frauen
Wie sieht es aus mit den Auswirkungen von Hartz IV auf eine Personengruppe, die mit 52 Prozent Bevölkerungsanteil in NRW kaum als Minderheit zu bezeichnen ist, den Frauen? Um dieser Frage nachzugehen, lud der LandtagsAusschuss für Frauenpolitik (Vorsitz Inge Howe, SPD) die Vorsitzende der Geschäftsführung der Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit, Christiane Schönefeld, zu einem Gespräch ein. --- Hier die auf der WebSite des Landtags NRW veröffentlichten Ergebnisse (24.11.2004)
Bundesagentur informiert Ausschuss (Landtag NRW)
"Der Frauenanteil am Bezug von Arbeitslosengeld und -hilfe lag im Oktober bei 41,2 Prozent. Ihr Anteil an den Beziehern von beruflichen Weiterbildungs- und Eingliederungsmaßnahmen machte 50,2 Prozent aus“, informierte Christiane Schönefeld den Ausschuss. Diese Zahlen sprächen eine deutliche Sprache. „Das macht klar, dass arbeitslose Frauen gegenüber Männern nicht benachteiligt werden“, so Schönefeld.
Im nächsten Jahr stünden der Bundesagentur weniger Mittel für Weiterbildung zur Verfügung. Außerdem werde der Anteil an langfristigen Eingliederungsmaßnahmen, wie beispielsweise Umschulungen, zu Gunsten von kurzfristig wirksamen Maßnahmen zurück gefahren. Leichter integrierbare Arbeitsuchende würden zukünftig vorgezogen, denn „die Integrationswahrscheinlichkeit wird zur Bedingung für die Teilnahme an einer Maßnahme“. Dadurch kämen Berufsrückkehrerinnen im nächsten Jahr weniger in den Genuss von Fördermaßnahmen, da Mütter oftmals über einen längeren Zeitraum dem Arbeitsmarkt fern gewesen und damit schwer integrierbar seien.
Marianne Hürten (GRÜNE) widersprach und führte an, bei früheren Programmen hätten die Berufsrückkehrerinnen mit 80 Prozent eine sehr hohe Eingliederungsquote gehabt, so dass eine geringere Eingliederungswahrscheinlichkeit kaum als Grund gelten könne, dieser Personengruppe die Fördermaßnahmen zu verweigern.
Partnereinkommen
Viele Frauen fielen im nächsten Jahr aus dem Hilfebezug heraus, da das Einkommen ihres Partners angerechnet werde, gab Gerda Kieninger (SPD) zu bedenken: Würden diesen Frauen dann noch Qualifizierungsmaßnahmen
angeboten? Regina van Dinther (CDU) forderte die Bundesagentur auf, in diesem Zusammenhang konkrete Zahlen zu nennen.
Christiane Schönefeld räumte ein, dass aufgrund der Anrechnung des Partnereinkommens schätzungsweise 20 Prozent der Frauen aus dem Leistungsbezug heraus fielen. Zwar hätte man auch Anspruch auf Eingliederung, wenn man keine Hilfe beziehe. Jedoch sei der Anteil derer, die keine Hilfe erhielten, in den Maßnahmen erfahrungsgemäß
gering.
Mini-Jobs
Unter den Hilfeempfängerinnen gehe die
große Angst um, ab 2005 verstärkt in Mini-
Jobs vermittelt zu werden, erklärte Helga
Gießelmann (SPD). Sie zeigte sich darüber
sehr besorgt: „Das Ziel soll schließlich die Vermittlung
in existenzsichernde Arbeit sein.“
Christiane Schönefeld legte dar, dass ein
Mini-Job eine zumutbare Arbeit im Sinne des
SGB II sei. Die Vermittlung in Mini-Jobs leite
sich von der Zielsetzung des SGB II ab, in
erster Linie die Bedürftigkeit zu vermeiden.
„Ich halte einen Mini-Job für einen guten
Weg, um darüber in eine Festanstellung zu
kommen. Denn schließlich verbessert ein
Mini-Job oder eine Arbeitsgelegenheit die
Qualifikation.“
Dieser Ansicht wurde von Vertreterinnen
aller vier Fraktionen heftig widersprochen.
Weiterhin wurde gefordert, dass die so genannten
Fallmanagerinnen und Fallmanager
speziell ausgebildet würden, die unterschiedlichen
Bedürfnisse von Frauen und Männern
im beruflichen Wiedereingliederungsverfahren
zu berücksichtigen. Momentan gäbe es
noch keinen einheitlichen Standard für die
Ausbildung. „Es ist erschreckend, mit welch
unterschiedlicher Ausbildung man sich derzeit
Fallmanagerin oder Fallmanager nennen
darf“, sagte Christiane Schönefeld und
wünschte sich, mit den Vertreterinnen des
Ausschusses für Frauenpolitik „beim Thema
Qualifikation von Fallmanagerinnen und
Fallmanagern in Zukunft gemeinsam am Ball
zu bleiben“. YV
(Hervorhebungen durch die Redaktion)